Das Liebesrätsel entwirren: Partnerwahl & Kindheit

Frühe Beziehungserfahrungen beeinflussen unsere Partnerwahl und unser Beziehungsverhalten. Was, wen ich immer wieder in problematischen Liebesbeziehungen lande und von einer unglücklichen Beziehung in die nächste taumle? Welche Auswege es gibt und warum man deshalb nicht verzweifeln sollte, erfährst du, wenn du den folgenden Beitrag liest.


Wenn Paare das Gefühl haben, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt, meinen sie, im anderen den perfekten Partner gefunden zu haben. Sie glauben, dass sich magische Dinge zwischen ihnen abspielen und etwas Wunderbares passiert. Das stimmt natürlich auch. Während der Verliebtheit spielen die Botenstoffe im Gehirn verrückt und die Welt erscheint in einem anderen Licht. Trotzdem ist es nicht unerklärlich, weshalb wir uns in bestimmte Persönlichkeitstypen verlieben. Auch wenn wir es uns mit dem Verstand nicht erklären können, hat es nicht unbedingt mit Schicksal oder Zauberei zu tun, als vielmehr mit unserer Vergangenheit.  Unsere Vergangenheit ist es, die unsere Art, wie wir Beziehungen gestalten, maßgeblich mitbeeinflusst. 

Partnerwahl – Der Einfluss des Unbewussten

Wir alle haben – wenn oftmals unbewusst – Vorstellungen, wie der perfekte Partner oder die Perfekte Partnerin sein soll. Diese Vorstellungen kommen nicht von irgendwo, sondern haben mit unseren Erfahrungen aus der Kindheit zu tun. Wir sind nicht so frei in der Wahl unserer Liebespartner, wie wir oftmals glauben. Menschen verlieben sich in bestimmte Persönlichkeitstypen, fühlen sich angezogen von bestimmten Wesenszügen. Dies hat mit Erfahrungen zu tun, die wir mit unseren frühen Bezugspersonen gemacht haben. Wir verlieben uns in Menschen, mit denen wir ähnliche Beziehungskonstellationen herstellen können, wie in unserer Herkunftsfamilie. Wir sind nicht frei in unserer Partnerwahl. 

Partnerwahl und Kindheit

Deshalb ist die Partnerwahl von Menschen nicht immer optimal. Viele führen eine Partnerschaft, die ihnen nicht guttut. Es können sowohl die positiven als auch die negativen Eigenschaften von den Bezugspersonen unserer Kindheit sein, nach denen wir den aktuellen Partner wählen. Solange die romantische Beziehung gut läuft, alles kein Problem. Schwierig ist es nur, wenn Menschen Partnerschaften eingehen, die ihnen schaden oder wo sie viel Leid erfahren. Viele verlieben sich immer in den gleichen Typus von Mann oder Frau, auch wenn sie das gar nicht möchten. Jeder kennt diesen Fall, entweder von sich selbst oder im Freundeskreis. Wer hat nicht einen Freund oder eine Freundin, wo sich immer wieder das gleiche Drama abspielt? Der Freund oder die Freundin berichten einem zum x-ten Mal davon, den Traumpartner kennen gelernt zu haben, wo eben die Chemie total stimmt, sie verliebt bis über beide Ohren sind und überhaupt alles perfekt wäre. Selbst ahnt man schon Schreckliches. Man weiß, es wird nicht lange dauern, und der Freund oder die Freundin wird wieder enttäuscht und verzweifelt sein, weil sich der „Traumpartner“ als Illusion herausgestellt hat. Doch was ist da passiert? Weshalb weiß man selbst, dass dies nicht gut ausgehen wird, aber der oder die andere scheint blind zu sein und wieder in die gleiche Falle zu tappen?

Partnerwahl – Der Wiederholungszwang

Tiefenpsychologisch betrachtet, handelt es sich bei obigen Beispiel um eine Wiederholung. Dies heißt so viel, als dass es einen menschlichen Impuls gibt, unangenehme oder schmerzhafte Handlungen, Situationen oder Beziehungskonstellationen zu wiederholen. Dieser Prozess läuft immer unbewusst ab. Ziel des Wiederholungszwanges ist es, schlimme Erfahrungen nachträglich doch noch gut zu machen oder zu lösen. Leider funktioniert dies höchst selten. Insofern haben Menschen die Gabe, mit unterschiedlichen Partnern immer wieder das gleiche Drama zu reinszenieren. D.h. was wiederholt wird ist nicht unbedingt der gleiche Persönlichkeits-Typus von Partner oder Partnerin, sondern vielmehr die Art, wie Beziehungen gestaltet werden. Jeder kennt die Dramen, die sich bei bestimmten Paaren abspielen. So gibt es zum Beispiel Menschen, die sich wiederholt in Beziehungskonstellationen wiederfinden, wo ein ständiges On/Off herrscht, sie psychisch komplett fertig sind und weder ein noch aus wissen. Nach außen hin scheint dies unerklärlich. Bei näherer Betrachtung nicht mehr. Womöglich hat diese Person in ihrer Kindheit keine sicheren Beziehungserfahrungen machen können, hatte emotional labile Bezugspersonen oder hat eine Erziehung genossen, die zwischen übertriebener Fürsorge oder Vernachlässigung hin und her schwankte. Nun findet sich diese betreffende Person immer wieder in romantischen Beziehungen wieder, wo diese frühen Erfahrungen wiederholt werden. Es liegt hier nicht nur allein am Partner, der gewählt wird, sondern auch an der Interaktion des Paares miteinander. Von außen betrachtet hat man oft den Eindruck, als würde so jemand fast mit Absicht eine derartige Paardynamik inszenieren. Dies sind aber keine bewusst gewählten Verhaltensweisen, die da an den Tag gelegt werden, sondern unbewusste Mechanismen, die zum Tragen kommen. 

Ausweg

Was ist nun die Lösung, wenn jemand immer wieder Beziehungen eingeht, die ihn unglücklich machen oder gar schaden? Nun fürs erste ist es wichtig, sich selbst besser kennen zu lernen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Nur wenn wir uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen, unser Bindungsverhalten und unser Beuteschema kennen, können wir unsere Partnerwahl bewusst beeinflussen. Wo wir früher noch unbewusst uns von einer unglücklichen Liebesbeziehung in die nächste begeben haben, können wir dann bewusst einen Menschen finden, der uns wirklich guttut und mit dem wir neue Beziehungserfahrungen machen können. Bestimmte Beziehungskonstellationen zu vermeiden und nicht „sehenden Auges“ ins nächste Beziehungsunglück zu schlittern, kann man lernen. Der erste Schritt ist es, die eigene Beziehungsdynamik zu erkennen, um in Folge für sich selbst eine Paarkonstellation zu wählen, die neue und positive Erfahrungen zulässt. Niemand ist dazu verdammt, die emotional unbefriedigenden Zustände aus der Kindheit zu wiederholen. Es ist nie zu spät, für eine glückliche Zukunft zu zweit.